Donnerstag: Durchgeboxt

Heute mal gar keine Chor-Proben, dafür ganze 15 Einzelproben.
Fabian meint einen so wichtigen Termin zu haben später, dass er nur früh morgens proben kann und wir lassen uns darauf ein soagr schon um 9:30 anzufangen.Sind wir denn des Wahnsinns..?
Endlich proben wir auch auf einer Probebühne im Theater, was das Leben sehr vereinfacht. Texte werden geschrieben und geändert und im Akkord ausgedruckt. Nur mit dem Handyempfang ist es schwierig. Alle finden sich sogar mehr oder weniger pünklich ein, EInzelproben sind eben doch gar nicht so uncool. Gökmen traut sich auf die Bühne und ist mal wieder der King im Ring. Omed bringt uns zum Lachen, Kübra zerschnippelt fleißig Stoff und muss sehr getrietzt werden bis sie sich mal traut. Chayenne rührt mal wieder alle beinahe zu Tränen, Jana traut sich, Demet schlägt mir Ordnern um sich. Daniel ist ein sehr guter Erzähler und Kadir boxt sich mit aller Kraft durch den Null Bock-Text und lernt anschließend noch fleißig, als hätte er nie etwas anderes getan. Hat es etwa evtl wirklich Spaß gemacht? Wir können unser Glück kaum fassen....
Sonata und Ivana erscheinen sogar noch abends zum Gespräch, ohne sich zu beklagen und wir schleppen uns gemeinsam über die Zielgerade dieses Tages.
Mit Stolz können wir verkünden: wir haben schon 18 Monologe, also noch 5.

 

Mittwoch: Kettensägenmassaker

Mittwoch 2.3.10
Kettensägenmassaker
Muss man eigentlich eine Erlaubnis haben um eine Kettensäge zu bedienen? Und was ist eigentlich ein Kettensägenführerschein und wie bekommt man den? Ist Holzhacken eigentlich Arbeit? Proben auch?
Während Westerwelle immer noch über die Hartz 4 Schmarotzer pöbelt wird bei uns ganz praktisch und theoretisch über den Sinn von Arbeit nachgedacht.
Kadir bekennt: Arbeit is net so meins! Lieber reisen. Kübra arbeitet sich an Stoffen ab, Jana sucht nach neuen Wegen zum Arbeitsplatz und gemeinsam versuchen wir es mit der Arbeit am Chor.  Das ist zwar in der großen Gruppe etwas anstrengend, aber klappt dann doch so gut, dass wir es mal für einen Tag gut sein lassen können. Schließlich brauchen wir Zeit für unser Wochenziel: 23 Monologe.

Dienstag: Schreibfrei

Eigentlich sollten ja alle beim Praktikum sein, aber ob sie da auch sind...?

An der Textfront wird fleißig weiter produziert,  Schließlich gilt es den Plan einzuhalten. Noch 18.

Montag: Halbzeit

Es ist Halbzeit, die ersten drei Wochen sind um. Jetzt muss es aber langsam mal ernst werden, denkt man sich, Naja.
Klassenziel für diese Woche: 23 Monologe schreiben und proben. 23 Mal der große Auftritt in 3 Minuten.
Heute haben wir erstmal wieder einen unserer seltenen Bühnentage nur diesmal mit Presse und Chor.  Die Heilbronner Stimme und der SWR sind da, aber das scheint niemanden so richtig zu interessieren. Absolut normal, Interviews zu geben. Als hätte man nie etwas anderes gemacht.
Die Regisseurin wird zum Animator, damit auch der letzte sich berufen fühlt mal ein paar Prozent draufzulegen und den großen Raum mit Stimme und Energie zu fühlen.
Sag mal du hast doch wirklich was genommen oder? Die Strategie der letzten Woche zieht immer noch prima.
Und jetzt noch mal der Kanackenteil! Ach ne Mist, das darf man so ja nicht sagen, schließlich ist die Presse da. Also jetzt der Teil über den Migrationshintergrund. Deutsche setzen!
Oder sind wir nicht alle auch ein bisschen deutsch?
Danke! Danke! Danke!

Für ein paar Furchtlose gibt’s erste Monologprobe gleich mal auf der großen Bühne. Cheyenne bewegt die Herzen, Furkan tanzt Freestyle, Daniel ist aus der Puste und Toni ist der Meister des, „ich hab noch keinen Text und die Requisiten fehlen auch, aber ich spiel mir mal nen Wolf“.

 

Freitag: Es ist Frühling, Baby.

Was ist eigentlich mit Susanne und Maria los, fragen sich heute alle. Maria reißt Witze die keiner versteht und lacht selbst am meisten drüber.....läuft wie ein aufgescheuchtes Huhn durch den Raum.... Susanne ist auch nicht zu bändigen.... WAS IST LOS? Und jetzt sind es die Schüler die etwas genervt sagen------. Können wir mal weiter machen..? Und habt ihr was geraucht? Jetzt echt mal, ihr habt irgendwas genommen, oder?
Aber falsch gedahct, es ist nur ein neues Strategiespiel. Wenn wir uns aufführen wie die Irren, sind die Schüler total vernünftig. Klappt prima und außerdem machts noch Spaß. Denn immer nur den ganzen Tag "Ruhe bitte" sagen wird ja auch langam langweilig.
Es ist erstaunlich, zur Überraschung aller können viele den Chor schon jetzt zu großen Teilen auswendig. Immerhin drei Seiten. Wir haben es mit einem begabten Horde zu tun. Wirklich. Ach ja und nach jedem "wirklich" wird sich hingesetzt, nicht vergessen!

Donnerstag: Die neue Freiheit

Ab heute drastische Probenverkürzung. Nur noch zwei Stunden täglich in der Gruppe für jeden, und die Klasse ist in zwei Gruppen geteilt. Chor proben in der großen Gruppe, das ging gar nicht. Ansonsten vorher und nachher Einzelproben, oder besser gesagt vorerst Einzelgespräche. Was für die Schüler nett ist, weniger Probenzeit, mehr Freizeit, heißt fürs Team 10 Stunden Probe am Tag ohne wirkliche Pause. UFFFFF! Und was ist eigentlihc mit der Website.......?
Wir beschließen, dass auch wir in Anbetracht der WOKRLOAD keine Lust haben vor 10 zu proben. Also endlich mal normale Anfangszeiten. Schließlich sind wir ja nicht in der Schule!
Und siehe da, der Chor kommt gut voran. Die Stimmung ist gut und einige wollen schon gar nicht mehr gehen, jetzt wo sie’s doch dürfen. Der Frühling tut sein übriges und sorgt für sonnige Gemüter und ausgedehntes Abhängen auf dem Hof.
Abends eine späte Einzelprobe mit Toni und Luca. Toni macht Butterkekse mit Sahne für uns, Luca läuft im Dunkeln durch Stellwände und gibt an der Schauspielfront alles.

Mittwoch : Ran an den Speck

So lange genug gefaulenzt im Schatten von Schlinge und Co. Jetzt müssen alle ran. Jeder zeigt seine drei Minuten Bühnenzeit, die vorbereitet werden sollten. Das klappt, bei manchen auch nicht. Und das mit dem vorbereitet sollte man auch nicht so genau nehmen. Gott-sei-Dank ist das Regieteam TOTAL kreativ und kann direkt reagieren. Also, jeder drei Minuten auch OHNE Vorbereitung!!! Damit das alles nicht immer vor allen passieren muss sind es das letzte Mal vor den Einzelproben wieder drei Gruppen. Susanne und Alex fliegt bei der Bespaßung des Restes leider ein bisschen das Zepter aus der Hand. Unkonzentriert,  unwichtig: Unform. Fuck it! dann halt früher Schluss heute.

Dienstag : Praktikumstag

Taxi Tortur und Bahn Horror.

Montag: Kapitulation ohhhhhh

Erste Bühnenprobe und neuer Chortext. Endlich mal im richtigen Raum, was man so alles in einem Komödienhaus anstellen kann.....wir proben Anarchie, komisch selbst dazu muss man sie ermuntern, aber es klappt ganz gut mit Hilfe von Wir sind Helden! und Tocotronic. Wir klären den Begriff Kapitulation, und Omed lernt was ein Wortwitz ist. Auch Ironie erhält langsam seinen gebührenden Platz. Kadir hat mal wieder null Bock, es folgen endlos scheinende Diskussionen, wütende Zwischenrufe und der Versuch das alles zusammenzuhalten. Aber manchmal braucht man eben neue Lösungsideen.
Und wie war das nochmal? Kunst hilft Pädagogik oder anders herum? Ist das hier die Grenze der Pädagogik?
Große Bühnenbildideen werden in die Luft geworfen und noch dreimal gewendet.
Mal gucken.
Und ja, auch der letzte versteht langsam, dass das hier mal die Bühne sein wird...... wirklich.
Kommentar von Sine mit erstauntem Unterton zum neuen Texte: Danke Maria, der Text ist wirklich ganz gut.
Vielen Dank!

Freitag : Wochenendzielgerade

Zum Schluss der Woche euphorische Stimmung, wir bereiten die individuellen 3 Minuten für die nächste Woche vor. Schauen Videos von Flashmobs und überlegen welche Möglichkeiten der öffentlichen Intervention sich in Heilbronn anbieten, Flashmob auf dem Rathausplatz? Bärbel lässt tanzen und Bewerbungssituationen nachspielen.
Zum Schluss bauen wir alles an Texten zusammen, die wir die ganze Woche geprobt haben. Und siehe da, ein kraftvoller Chor entsteht, der einen Vorgeschmack auf das angestaute Potenzial gibt, das es in den nächsten Wochen zu heben gilt. Begeisterung auf allen Seiten, und eine Woche Ferien.  Hoffentlich halten sich alle an die Abmachungen und holen fehlende Praktikumstage nach und verhindern den Schulverweis, der einigen durch häufiges Schwänzen immer wieder droht. Merkwürdig wie unbeteiligt manche scheinen, wenn es um so wichtige Dinge geht. Oft scheint das alles nur ein Spiel zu sein. Und vielleicht haben sie ja auch recht und es ist einfach noch zu früh erwachsen zu werden, wenn man gerade mal 16 ist.

Donnerstag : Freakstars

Auf dem Speiseplan für Kunstdiskurs steht heute der Film Freakstars von Schlingensief. Bärbel, die Theaterpädagogin ist zu Besuch und unterstützt uns an der Präsenzübungsfront und in der Probenwerkstatt wird weiter am chorischen Sprechen gebastelt. Die Geduld ist begrenzt, oder wie man auch sagen könnte die Frustrationsgrenze schnell erreicht. Dass man an etwas länger arbeitet um wirklich etwas zu erreichen, ist nicht immer vermittelbar. Aber in kleinen Schritten bewegen wir uns weiter.

Mittwoch : Meine persönliche Kompetenzbilanz

Ach wär es schön wenn man so wäre wie ein freundlicher Arbeitsamtmitarbeiter sich das wünscht und wie das Bewerbungstraining es uns vermitteln will.
„Ich weiss was ich kann und was ich will!“
„Ich kann mit Menschen aus (einem) anderen Kulturkreise(n) erfolgreich kommunizieren und agieren.“
„Ich bin in der Lage, konsequent zu erreichen, was ich mir vorgenommen habe und lasse mich nicht ablenken.“
Naja.
Wir machen einen Chor daraus und versuchen das Wort Migrationshintergrund fehlerfrei auszusprechen.

Dienstag : Praktikumstag

Durchatmen

Montag : Ausländer raus!- Achtung Kunst

Jungskombo, Kicherecke, Schläferdomizil und Anführertum müssen gerecht auf drei Gruppen verteilt und alte Verbindlichkeiten aufgelöst werden für ein betriebsames Arbeitsklima.
Ab heute arbeiten wir gleichzeitig in drei Gruppen. Dafür sind wir extra früh aufgestanden und haben mit der freundlichen Technik des Heilbronner Theaters unsere Probebühne in ein Gardinenlager aus unterschiedlichsten Stoffen verwandelt. Aus einem Raum mach fünf, nur leider ohne Schallschutz und außerdem ist die Probebühne immer noch dreckskalt. Aber proben macht ja warm und Kunst auch. Heute auf dem Speiseplan für angehende Theaterschaffende: Schlingensief redux, Präsenzübungen deluxe und Reaktionsspielchen á la carte. Das neue Programm stößt auf: Begeisterung, kontroverse Diskussion und die Frage die ungelöst bleiben muss: Ist Schlingensief eigentlich jetzt’n Nazi, oder, is schon Pause?

Montag : Pause

Diese Woche ist Pause mit Proben, die Jugendlichen gehen wieder zu Schule (oh man, keine Lust....!) Jakob schneidet fleißig an den Videos (oh man, viel Arbeit....!) und Maria bastelt am Chortext ( oh, mal gucken.....!)
Wie soll’s weitergehen?

Freitag : „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“

„Was tun in 3 Minuten?“
Jeder hat die Aufgabe, sich drei Minuten auf der Bühne zu präsentieren, wie  und mit was ist egal. Was passiert, wenn man 3 Minuten ins Publikum schaut? Nichts? Plötzlich wird die eigene Kleidung zum Kostüm, jede Bewegung wichtig. Wir analysieren, probieren aus, und das ist Theater? Was ist der Unterschied zwischen vorspielen, spielen und sich der Situation aussetzen von 25 Leuten 3 Minuten angesehen zu werden? Und was heißt überhaupt echt? Und warum ist nichts machen eine Provokation?
Am Ende der ersten Woche ist aus „Null Bock“, ein leises, „Eigentlich macht es Spaß.“ geworden.  Wer hätte das gedacht.

Donnerstag : First Steps.

Die Hürde auf die Bühne zu gehen ist bei einigen ziemlich groß. Wir versuchen es mit einem Thema, das viele Kennen: Status, nonverbale Kommunikation, Aggression, Provokation.
Aufgabe: ein Machtkampf ohne Worte:
Die Jungs räumen ab, üben sich in Machogesten, Provokation, Überraschung.
Der Sieg geht an Raphael, mit einem Überraschungsschlag qua Eskimokuss hat er seinen Gegner und dessen Gruppe zum Lachen gebracht, das Eis ist gebrochen

Die ganze Woche schon machen wir täglich Interviews zuhause bei den Jugendlichen. Bei 23 Jugendlichen sind das bis zu vier Hausbesuche am Tag. Denn wir müssen diese Woche alle schaffen. Wir werden empfangen mit Kuchen und Kaffee, mit Offenheit und Herzlichkeit. Keiner hat uns bis jetzt den Zutritt in sein Leben verweigert, trotz anfänglicher Vorbehalte. Erstaunlich.

MIttwoch : „Rollenspiel“

„Ich will eine Ausbildung!“; „Ich hab Arme und Beine, ich kann Arbeiten!“; „Harz IV ist keine Option!“ „Wenn ich will, kann ich alles schaffen!“
„Ja und warum legst du dann nicht mal los?“
Keiner der Jugendlichen, die vor uns sitzen, wäre nicht begabt genug, um mehr zu erreichen, als das was sie bist jetzt geschafft haben, und sie wissen das auch. Gleichzeitig sind sie aber offensichtlich nicht in der Lage, aus ihrem Potenzial etwas zu machen, warum?
Vielleicht lieg es an Sätzen wie „Wenn du so weiter machst, landest du noch auf der Straße!“ oder „Du musst dich einfach nur mehr ansträngen!“
Dem Druck ihrer Umgebung weichen sie mit Lügen, Fehlen und Konfliktvermeidung aus. Womöglich haben die Anderen ja Recht und sie sind einfach nur faul. Wenn man gewohnt ist in der Defensive zu sein, sich rauszureden, und Misserfolge einzufahren, wie schwer ist es dann zu springen und überhaupt mal wieder eine Herausforderung anzunehmen? Dann doch lieber gleich im Bett bleiben, dann kann man wenigstens nicht scheitern.
Wir haben eine morgentliche Gleitzeit eingeführt, wer zwischen 9 und 10 da ist, ist „pünktlich“ und wer nicht da ist wird täglich angerufen. Schließlich wollen wir so früh noch niemanden aufgeben.

Dienstag : Praktikumstag

Kein Theater

Montag : Beschnuppern

Drei Monate haben wir die Klasse nicht gesehen und jetzt geht’s plötzlich los.

Nicht alle sind gerade begeistert von Theater und schon gar nicht davon auf der Bühne zu stehen. „Kein Bock, keine Lust, ich mach das auf keinen Fall! Und warum können wir eigentlich nicht Romeo und Julia spielen?“

Wir ermutigen alle Zweifel und Haltungen auszusprechen, damit die Fronten klar sind.

Die Hälfte hat Lust, die andere will eigentlich nur weg hier und bloß keinen Einblick ins eigene Leben geben. Das wird also spannend. Wir stellen Fragen, hören zu und versuchen eine Atmosphäre der Offenheit und des Vertrauen herzustellen.

Zuhören ist eine Frage von Respekt!

Jeder soll aufschreibe, was er schon immer mal aussprechen wollte, gegenüber einer Person, einer Gruppe oder den Eltern. Daraus machen wir chorische Hasssätze.

Fazit: An Energie und Frust mangelt es nicht.